Oft werden Tänzerinnen gefragt, woher die tollen Tanzoutfits stammen, die bei Turnieren und Shows getragen werden. Wer entwirft sie? (Man selbst!) Wieviel kostet ein Glitzerkleid? (Viiiiiel!) Wie oft trägt man es (für den Preis nicht oft genug) und was passiert danach damit? (Je nach Tanzerfolg wird das Kleid unterschiedlich behandelt. Sehr erfolgreiche Ergebnisse: das Kleid kommt in den eigens angefertigten Schrein zu Hause, wo täglich davor eine Kerze angezündet wird. Mittelmäßig erfolgreich: das Kleid wird verkauft und bringt hoffentlich einen anderen Tänzerin mehr Glück. Gar nicht erfolgreich: das Kleid wird in einer einem Exorzismus ähnelnden Zeremonie auf einem Scheiterhaufen verbrannt.)

Für die Herbstsaison wünscht sich Alexandra ein neues Kleid und erklärt Schritt fuer Schritt, wie ein Outfit entsteht:

Basis

Nach so vielen Jahren auf der Tanzfläche weiß man eigentlich schon, was einem steht und welche Schnitte man eher vermeiden sollte. Alle Fehler, die man machen kann, hat man gemacht (ein Highlight: schwarzes Kleid aus Fake-Leder mit Nieten und Kurzhaarschnitt mit Spikes. Können wir das Jahr 2011 vielleicht aus dem Protokoll streichen?) und nun ist man sich (hoffentlich) im Klaren darüber, welchen Stil man zeigen möchte und welcher Look am besten zum eigenen Tanzen passt.

Inspiration

Bei großen Turnieren wie zum Beispiel in Blackpool kann man sich die besten Anregungen holen. Man beobachtet genau, was andere Tänzerinnen tragen, was die Trends sind und wie gut welcher Schnitt und welches Material auf der Tanzfläche in Bewegung wirken. Um ehrlich zu sein klaut man rechts und links Ideen und hofft, dass man dann nicht zufällig auf einem Turnier neben der Tänzerin aus China steht, deren Kleididee man sich illegal angeeignet hat.

SchneiderIn des Vertrauens

Für Tänzerinnen und Tänzer jeder Leistungsstufe empfehle ich Maria Smodics-Neumann. Die Wienerin, die selbst auch getanzt hat, ist nicht nur eine handwerklich perfekt, sondern auch eine erfahrene und kreative Designerin. Egal, ob man mit einem fertigen Entwurf oder nur einer vagen Idee ("Maria, ich fühle etwas Elegantes. Aber trotzdem sexy. Und mit Stoff, der sich bewegt! Aber nicht zu viel Stoff! Und lila. Oder blau?") zu ihr kommt: auf einem Blatt Papier setzt sie in Windeseile die Idee um, zieht aus allen Ecken und Enden ihrer Werkstatt Stoffproben hervor und verteilt großzügig Strasssteine und Perlenfransen auf dem Tisch.

Maria Smodics-Neumann nimmt sich Zeit, ist emphatisch und leidenschaftlich. Nach dem ersten Treffen geht man mit einem Entwurf, einem Zeitplan und einem Kostenvoranschlag, den Maria nicht selten sogar unterbietet (!), aus ihrer Werkstatt und kann die erste Anprobe gar nicht erwarten.

Anprobe und Accessoires

Nach einiger Zeit kommt man wieder in das Atelier der Schneiderin in der Stumpergasse im 6. Wiener Bezirk. Das grobe Gerüst des Kleides ist fertig, es fehlen nur noch Finetuning, Fitting und natürlich massenhaft Strasssteine (GLITZER!!!). Während in Marias Studio emsig genäht wird, kümmert man sich um passende Accessoires wie zum Beispiel Haarschmuck, Ohrringe, Halsketten, etc. Das gesamte Outfit muss stimmig und gut durchdacht sein. Aber trotz aller Mühen haut man manchmal einfach daneben...